.Gruppendynamik sind Vorgänge und Abläufe in einer Gruppe von Menschen. In diesem System , das seine ganz eigene Dynamik entwickelt , gibt es eigene Gesetzmässigkeiten. Dabei ist die Summe aller Teile grösser als die Eigenschaften und Fähigkeiten der einzelnen Personen in der Gruppe. Das System ist mehr als die Summe seiner Teile.
Klassisch betrachtet (nach Ted James) ist der Prozess, wie eine Gruppe entsteht und funktioniert in folgende Phasen gliederbar:
Orientierungsphase – Forming
Die Orientierungsphase ist von Unsicherheit, Distanzwahrung und teilweiser Zurückgezogenheit geprägt. Bedingt durch die neue Zusammenstellung der Gruppe entsteht ein Gefühl der Fremdheit. Die Gruppenmitglieder versuchen sich an die neue Umgebung, die neuen Menschen und die oft ungewohnte plötzliche Nähe zu gewöhnen.
In der Orientierungsphase ist das Verhalten der Gruppe in hohem Mass vom Verhalten des Leiters abhängig. Er sollte Zeit und Hilfen für das Kennenlernen geben. In dieser Phase sollten auch einige äussere Strukturen festgelegt werden. Die Teilnehmer müssen erkennen, in welchem Spielraum sie sich in Zukunft zu bewegen haben.
Machtkampfphase – Storming
Anders als in der Orientierungsphase haben sich klarere Rollen herauskristallisiert. Es gibt bereits Ansätze einer gruppeneigenen Führung. Um diese Rollen, auch die des Aussenseiters, wird in dieser Phase gekämpft. Die Positionen werden geklärt und gefestigt. Diese Rivalisierung kann zu Konfrontationen untereinander, aber auch einiger Untergruppen führen. In dieser Phase kommt daher gereizte Atmosphäre auf, und auch der Gruppenleiter sieht sich erster Kritik ausgesetzt. Es ist schwer, sich als Leiter diesem Prozess zu entziehen, da sich viele Aggressionen auch auf den Leiter fokussieren. Die starke emotionale Reibung erhöht zufdem die Gefahr des Austritts Einzelner aus der Gruppe.
Diese Gruppenphase ist die Härteprobe einer Gruppe. Hier zeigt sich, wer den Machtkampf durchsteht und wer nicht. Es zeigt sich, ob die in der Orientierungsphase geklärten Rahmenbedingungen eingehalten werden. In jedem Fall sollten diese aber gefestigt werden. Der Leiter sollte besonders seine eigene Position verdeutlichen. Es besteht oft das Risiko, dass seine Autorität in dieser Phase stark abnimmt, da er sich zu sehr von den Gruppenmitgliedern beeinflussen lässt. Machtkämpfe dürfen und müssen sein, und Konflikte beinhalten hohes Potenzial. Nicht ohne Grund nennen einige Autoren diese Phase die der "Gärung und Klärung". Allerdings sollte dies mit klar definierten Regeln geschehen.
Vertrautheitsphase – Norming
Durch Verständnis und Wissen wandelt sich die Gruppe allmählich vom vorherrschenden Konkurrenzgedanken hin zu einer immer intensiveren Zusammenarbeit. Die Rollen innerhalb der Gruppe sind vergeben, jeder hat seinen Platz bzw. seine Aufgabe.Man hat die anderen in der Gruppe weitestgehend akzeptiert. Dies geht auch einher mit der Akzeptanz der zuvor geklärten Rollen. Es ist durchaus möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass Aussenseiter ihre Rolle in der Gruppe akzeptieren und damit die Gruppenatmosphäre mittragen. Es entwickelt sich ein starkes Wir-Gefühl innerhalb der Gruppe. Eben aus diesem Grund ist die Gruppe jetzt nicht in der Lage, die Aufnahme neuer Mitglieder zu verkraften. Oft fällt die Gruppe dann in eine Mischung aus den ersten beiden Phasen zurück. Eventuelle neue Mitglieder müssen sich gleichzeitig orientieren und für eine Akzeptanz ihrer Person in der Gruppe sorgen. In dieser Phase ist die Gruppe am produktivsten, sie wird deshalb auch in einigen Modellen als Arbeitsphase beschrieben.
Da der Gruppenleiter nun weniger stark in Anspruch genommen wird, kann er Verantwortung versuchsweise an Gruppenmitglieder übertragen. Dabei sollte er jedoch darauf achten, nicht Teil der Gruppe zu werden, sondern sich mit genügend Distanz die Harmonie innerhalb der Gruppe zunutze zu machen. Die Tatsache, dass die gruppeneigene Führung akzeptiert ist, muss nicht negativ gesehen werden. Wichtig ist dennoch, die gruppeninternen Rollen teilweise gezielt aufzulösen, um die Kompetenzen der einzelnen Gruppenmitglieder voll ausschöpfen zu können. Es sollte die Möglichkeit zur freien Entfaltung gegeben werden.
Differenzierungsphase – Performing
Wo in der Vertrautheitsphase noch eigene Wünsche und Gefühle zugunsten des Wir-Gefühls zurückgestellt wurden, da sorgt die Entwicklung der Persönlichkeit für eine Festigung eben dieses Gemeinschaftsgedankens. Erstmals tritt jetzt ein Bedürfnis nach Öffnung bzw. Ausweitung der Gruppe auf. Die speziellen Rollen treten in den Hintergrund, und die Gruppenführung wird je nach Situation wechselseitig ausgeübt. Aus diesem Grund lenkt sich die Gruppe hier auch überwiegend selbst. Zudem nimmt die Gruppe nach Möglichkeit auch Kontakt zu Gruppenfremden auf. Dies geschieht überwiegend freundschaftlich, da die Gruppe Sicherheit bietet und sich alle ihrer Gruppenzugehörigkeit bewusst sind. Die Gruppenmitglieder orientieren sich also nach aussen, sehen aber die Gruppe noch als Rückzugsgebiet an.
Der Leiter hat es geschafft, eine Gruppe zu bilden und durch einige Untiefen des Sozialverhaltens zu führen. An diesem Punkt ist seine leitende Aufgabe weitgehend erfüllt. Er ist nun oft nur noch organisatorisch tätig und besorgt benötigte Materialien. Oft initiieren Gruppenmitglieder eigene Programmpunkte, wenn ihnen dies gewährt wird. Die vorrangige Aufgabe der Leitung innerhalb dieser Phase ist die Entwicklung einer echten Solidarität zu fördern und daher die aufkommenden Statusansprüche einzelner zu unterbinden. Ausserdem muss er der Gruppe als Aussenstehender Feedback geben. Mit Blick auf die fünfte Phase ist es zudem sinnvoll, sich auch zunehmend organisatorisch entbehrlich zu machen.
Trennungsphase – Adjourning
Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo sich eine Gruppe auflöst. Dies muss nicht bedeuten, dass sich die Gruppenmitglieder nie wieder sehen. Dennoch sollte der Leiter auch den Auflösungsprozess einer Gruppe bewusst planen. Auch wenn dieser Zeitpunkt nicht genau gesetzt ist, so sind sich die Gruppenmitglieder seiner bewusst. Dadurch entstehen Unruhe und Unzufriedenheit. Oft resultiert dies auch aus dem zunehmenden Kontakt zu anderen Gruppen. Die Mitglieder suchen sich neue Betätigungsfelder, da die möglichen Erfahrungen abgeschlossen sind. Dies beinhaltet sogar das Risiko, dass die Gruppe in frühere Phasen zurückfällt.
Damit der oben beschriebene Prozess nicht chaotisch bzw. auch zu verletzlich erfolgt, sollte ein möglichst konkreter Zeitpunkt für die Trennung gesetzt und auch öffentlich gemacht werden. Dies gilt insbesondere für regelmässig wiederkehrende Gruppen. Unnötiges verzweifeltes Herauszögern der Auflösung führt nur zu einer zunehmenden Erlahmung der Gruppendynamik. Ein Überblick über die Zeit bis zur Trennung ist Voraussetzung für einen organisierten Ablauf dieser Phase und vermeidet ein hektisches Durcheinander. Die bisherige Gruppenarbeit sollte reflektiert werden. Nur muss dabei darauf geachtet werden, dass dies nicht zu einer Idealisierung als "die grosse Zeit" führt.
Dieses Gruppenphasenmodell ist lediglich eine Hilfestellung, um Vorgänge der Gruppendynamik verständlich zu machen. Gruppendynamik ist im Alltag wesentlich komplexer und undurchsichtiger.
Jede Gruppe ist ihr ureigenstes System mit seinen ganz spezifischen Energien und Gestaltungsmustern. Dementsprechend dauern die Phasen unterschiedlich lange, die Entwicklung der einzelnen Gruppenmitglieder ist unterschiedlich zum Beispiel in ihrer Geschwindigkeit, und der gesamte Zeitraum dieses Prozesses, aber auch die Art des gruppendynamischen Verlaufs ist unterschiedlich.
Die Bewertung der Situationsdynamik muss sich immer im Hier und Jetzt finden. Jeder gruppendynamische Prozess findet innerhalb einer Situation statt und ist daher nicht nur durch die Beziehungsdynamik, sondern auch durch andere situative Faktoren bestimmt.
Quelle: Wikipedia
AVEXYS GmbH | Hurdackerstrasse 21 | CH-8600 Dübendorf | Telefon +41 44 822 1000